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Historische Bauernhäuser als Spiegel der Agrargeschichte

Anfang des Monats sind im Freilichtmuseum Molfsee rund 80 Fachleute zur 33. Tagung des „Arbeitskreises für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland“ zusammengekommen. Im Mittelpunkt standen die Entwicklung, das Aussehen und die Ausstattung von Bauernhäusern im Hinblick auf den Wandel in der Landwirtschaft. Wir haben Dr. Nils Kagel, Fachbereichsleiter für den historischen Gebäudebestand im Freilichtmuseum, um ein Interview gebeten. 

Herr Kagel, das Freilichtmuseum hat kürzlich zu einer Hausforschertagung eingeladen. Was haben wir uns darunter vorzustellen?

Wenn wir von einer Hausforschertagung sprechen, dann kommen nicht nur Wissenschaftler zusammen. Es gibt nicht einmal einen Studiengang, der in diesem Bereich einen ausgeprägten Schwerpunkt hat. Deshalb sind unsere Tagungen immer interdisziplinär ausgerichtet. Neben Museumsvertretern wie uns – wir beschäftigen uns selbstverständlich wissenschaftlich mit unserem Gebäudebestand – kommen Denkmalschützer, Handwerker oder auch Architekten. Darüber hinaus suchen wir den Austausch mit Archäologen, die ja aufgrund von Spuren im Untergrund Rückschlüsse auf das Aussehen von historischen Häusern ziehen.

Ihnen geht es da ganz ähnlich, wie den Archäologen, oder?

Ja, das stimmt. Ähnlich wie sie untersuchen auch wir die Gebäude Schicht um Schicht, um ihre Entwicklungsgeschichte nachvollziehen zu können. 

Hätten Sie ein konkretes Beispiel?

Der Haubarg, wie es ihn auf der nordfriesischen Halbinsel Eiderstedt einst in großer Zahl gegeben hat, ist so ein Beispiel. Im 17. und 18. Jahrhundert boomte an der schleswig-holsteinischen Westküste der Getreideexport, unter anderem nach England. Die Landwirte benötigten also Häuser mit großen Räumen zur Lagerung ihrer Ernte. Das Holz zum Bau war damals allerdings knapp, so dass man es importieren musste. Und dann kommt noch eine dritte historische Entwicklung zum Tragen - und mit ihr die Lösung für die Eiderstedter Bauern: Auf der Halbinsel siedelten sich zu jener Zeit Niederländer an, die die Bauform des Haubargs mitbrachten. Ein kultureller Import. So hat es dort einst 400 Haubarge gegeben. Im 19. Jahrhundert verschwinden sie allmählich wieder, weil die Getreideproduktion nicht mehr im Vordergrund steht. Heute sind noch etwa 140 Bauten dieser Art übrig.

Und Erkenntnisse wie diese werden dann auf so einer Tagung zusammengetragen?

Ja, genau. Teilweise stehen Haustypen im Fokus, teilweise ein ganz bestimmtes Haus. Es kann aber auch nur um bestimmte Bereiche eines Baus gehen, um Bestandteile wie Fenster oder das Baumaterial. Auch die Auswertung historischer Bauakten kann von Bedeutung sein. Unsere Ansätze sind sehr vielfältig. Und der Haubarg – der 2021 übrigens zum Bauernhaus des Jahres ernannt worden ist - ist dabei nur ein Beispiel. Wir könnten aber auch ebenso gut über Gutsscheunen in Ostholstein sprechen oder oder oder. Interessant ist bei allem, dass es regional sehr unterschiedliche bauliche Reaktionen auf eine wirtschaftliche Entwicklung gegeben hat. 

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