Zukunftsvisionen für Freilichtmuseen
Neue Ausstellungen und Vermittlungsformate, historische Gebäude - die ab- und im Museum wieder aufgebaut werden - und im Zusammenspiel mit neuen Ausstellungsgebäuden ihre Wirkung entfalten: Freilichtmuseen verändern sich stetig, sie bauen in die Zukunft. Auf einer Tagung vom 17.-19. September 2025 in Molfsee hat die Fachgruppe Freilichtmuseen im Deutschen Museumsbund darüber diskutiert, was auf Freilichtmuseen zukommt, und was ihre Besuchenden im besten Sinne erwarten könnte. Was das konkret bedeutet, darüber berichtet Museumsdirektorin Dr. Kerstin Poehls im Interview.
Frau Poehls, warum arbeiten insbesondere Freilichtmuseen im steten Wandel?
Das tun natürlich alle Museen – aber nur Freilichtmuseen erzählen und vermitteln Ihre Themen auch ganz ausdrücklich über lebende Pflanzen und Tiere, über Landschaften und die Elemente – Regen, Wind, Sonne! In etlichen Freilichtmuseen dreht sich die Arbeit zudem weiter darum, welches Gebäude noch hinzukommen könnte oder sollte – oder welches es nie geben wird. Freilichtmuseen wollen und werden stärker zeitgenössische Debatten aufgreifen – dazu gehören Zukunftsfragen über Nachhaltigkeit, Biodiversität und Klimawandelresilienz, Demokratiebildung und soziales Miteinander.
Wie dürfen wir uns so eine Tagung und die Diskussionen vorstellen?
Bei der Tagung tauschen sich Expert*innen aus fast allen deutschsprachigen Freilichtmuseen aus über ihre aktuellen Vorhaben und Herausforderungen – und wir alle lernen voneinander. Dazu gehören Gespräche über bauliche Neuerungen, über den Umgang mit unseren sehr großen Sammlungsbeständen und unsere Erfahrungen mit digitalen Vermittlungsangeboten. Dabei beraten wir uns unter Kolleg*innen gegenseitig, gedanklich sind wir schon auf unserem Weg zum Museumserlebnis in 3 oder 5 oder mehr Jahren.
Den Auftaktvortrag hat Alexa Färber von der Universität gehalten, die als Europäische Ethnologin (und Schleswig-Holsteinerin) früher in Kiel tätig war. Sie hat uns das transdisziplinäre Forschungsprojekt Realfiktion Klimarechnungshof vorgestellt: Im Jahr 2020 gab es in Österreich ein Volksbegehren, das einen solchen Klimarechnungshof forderte – der also Klimakosten überprüft und Veränderung anmahnt. Was wäre, wenn es diesen Rechnungshof schon gäbe? Wie würden Organisationen, Unternehmen, Bürger*innen dann über klimaschädliches Verhalten sprechen? Das Projekt lädt zu einem Sprung in die Zukunft ein. Wir haben entlang dieses Beispiels diskutiert, welchen Beitrag wir Freilichtmuseen leisten können, um Zukunft mitzugestalten. Und wie wir auch unsere Gäste dazu ermutigen können.
Was haben Sie für die Besucher*innen des Freilichtmuseums Molfsee aus der Tagung gezogen?
Für das Team im Freilichtmuseum Molfsee hat die Tagung nochmals verdeutlicht, welch großartige museale Entwicklung mit dem Jahr100Haus möglich geworden ist. Wir beschreiten mit seiner Architektur einen ganz besonderen Weg: Die historischen Exponatgebäude wurden neu „gerahmt“, und dieser Effekt ist enorm stark. Wir haben auch gelernt, dass digitale und lang erprobte Vermittlungsformate nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern dass sie sich gegenseitig ergänzen. Insgesamt haben wir uns über positives Feedback aus unseren Partnermuseen gefreut – die letzten Etappen mit unseren Ausstellungsthemen, mit baulichen Verbesserungen und neuen Formaten waren für Molfsee ganz wichtig, und jetzt setzen wir unseren Weg mit unseren Gästen und noch mehr Ideen fort.