Vier neue Flügel für historische Bockwindmühle
An einem der vermutlich windstillsten Tage dieses Sommers hat das Freilichtmuseum Molfsee eines seiner schönsten Exponate der Öffentlichkeit präsentiert: Die annähernd 300 Jahre alte Bockwindmühle erstrahlt endlich wieder in neuem Glanz. Mit Hilfe zweier Sponsoren erhielt die zwischen Apenrade in Dänemark und Stade (Niedersachsen) in Norddeutschland einzigartige Bockwindmühle vier neue Flügel und wird sich – sobald der Wind zurück ist – wieder drehen
Mehr als 50.000 Euro und ein Mühlenbau-Spezialist aus Winsen an der Luhe waren nötig, um diesen baulichen Kraftakt zu stemmen. Umso größer war die Freude bei Museumsdirektorin Dr. Kerstin Poehls, Mitglieder*innen des Fördervereins SH Freilichtmuseum e.V. und einem Vertreter des Energieversorgers GP Joule aus Nordfriesland eine sanierte und funktionierende Bockwindmühle präsentieren zu können.
Den Löwenanteil der Sanierungskosten für die aufwendige Holzkonstruktion (verbaut wurden bis zu 7 Meter mächtige Eichenbalken und viele Meter Lärchenholz) übernahm GP Joule, den Bau und den Anbau von drei der vier Mühlenflügel. Dies geschah, wie Unternehmenssprecher Jürn Kruse betonte, mit großer Freude. „Die Bockwindmühle im Freilichtmuseum Molfsee symbolisiert für uns die jahrhundertealte Tradition, in Schleswig-Holstein die Windenergie einzusetzen – für die Wirtschaft, für die Menschen, für die Region. Auch heute bietet die Windenergie noch und wieder unzählige Chancen für Innovation und Wohlstand in diesem Land. Diese Chancen gilt es zu nutzen, um nicht nur die Energiewende voranzutreiben und das Klima zu schützen, sondern darüber hinaus für Wertschöpfung in den Kommunen, Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger sowie eine sichere Versorgung mit Strom, Wärme und Mobilität zu sorgen“, sagte ein mächtig beeindruckter Museumsgast Jörn Kruse.
Das Geld für den vierten Mühlenflügel steuerte der Förderverein des Museums bei. Dessen Vorsitzender Utz Schliesky bezeichnete es als eine große Ehre, bei der Realisierung dieses enorm wichtigen Projekts mithelfen zu können. „Immerhin reden wir bei unserer Bockwindmühle über eines der ältesten Gebäude des Museums. Für viele unserer Mitglieder ist sie das Wahrzeichen, weil man sie sobald man aus dem Jahr100Haus ins Freie tritt, auch als erstes erblickt. Im übrigen gehörte die Mühle vor 60 Jahren, im Sommer der Museumsgründung, zu den ersten Großexponaten, die im neuen Freilichtmuseum errichtet worden waren“, so der Vorsitzende von mehr als 6.000 Vereinsmitgliedern.
Obwohl es sie zwischen Ost- und Nordsee bereits seit dem 12. Jahrhundert gab, war die Bockwindmühle in den 1960er Jahren in Schleswig-Holstein so selten geworden, dass das Freilichtmuseum Molfsee mit der Bockwindmühle aus Algermissen auf ein Modell aus Niedersachsen zurückgreifen musste, um diesen Mühlentypus zeigen zu können. Die Geschichte dieses Exponats reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, und es ist heute das einzig erhaltene Denkmal seiner Art im Land.