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  • Historische Ackerwalze auf Anhänger vor Transporter

Entscheiden, was bleibt

Ob Kuchengabel oder Kutsche, Ackerwalze oder Stecknadel: Fast 100.000 Objekte umfasst die Sammlung des Freilichtmuseums Molfsee. Doch nicht alles kann für immer bewahrt werden. Ein neues Projekt sortiert, ordnet – und trennt sich bewusst von manchem Stück. Ein Blick hinter die Kulissen eines komplexen Prozesses.

Mann mit Brille vor einer dunklen Holztür

Einige werden in den Ausstellungen des Freilichtmuseums präsentiert – die meisten in den historischen Häusern im Molfseer Freigelände, im Schleswiger Zentralmagazin oder anderen Depots gelagert. Es geht um die knapp 100.000 Objekte umfassende Sammlung des Freilichtmuseums. Ein Schatz, der selten Tageslicht sieht. Damit er erhalten bleibt, noch besser erforscht und Besucher*innen präsentiert werden kann, hat das Museum ein Projekt gestartet, das erstmals einen Blick hinter die Kulissen erlaubt: die Sammlungsqualifizierung, geleitet von Dr. Gunnar Maus.

Die Sammlung selbst ist ein Stück Geschichte. Sie entstand 2013 aus dem Zusammenschluss der Bestände des Freilichtmuseums Molfsee und des Volkskundemuseums Schleswig. Schwerpunkte bilden landwirtschaftliche Geräte, historische Berufe mit Werkstätten und Ladeneinrichtungen sowie Hauswirtschaft, Wohnen und Freizeit. Ausgewählte Stücke sind im Freigelände, in der Schau „Ein JAHR100 in Schleswig-Holstein. Land. Leute. Leben“ und in Sonderausstellungen zu sehen. Nicht alles gehört dabei dem Museum: Ein großer Teil ist Eigentum des Fördervereins, hinzu kommen diverse Dauerleihgaben wie die Brandschutzsammlung der Provinzial Nord Brandkasse.

Wie kommt ein Museum überhaupt zu einer solchen Sammlung? Die Antwort liegt in weit über hundert Jahren Sammlungsgeschichte. Was als bewahrenswert galt, änderte sich mit jeder Generation Verantwortlicher und mit dem Wandel der Gesellschaft. „Die Sammlungen, die entstanden sind, haben in ihrer Zeit immer Sinn ergeben“, sagt Gunnar Maus. „Das bedeutet aber auch, dass sich die Schwerpunkte über lange Zeiträume immer wieder verschoben haben.“ Deshalb verschafft sich das Museum nun einen Gesamtüberblick: Was besitzen wir – und wie gehen wir damit verantwortungsbewusst um?

Ein Beispiel macht das greifbar: Ackerwalzen. 21 Stück, oder zumindest Teile davon, besitzt die Stiftung, noch nicht alle sind inventarisiert. Im Projekt wurden Geschichte und Typologie der Geräte untersucht – mit dem Ergebnis, dass sich das Museum voraussichtlich von sechs Exemplaren trennen wird. Käme jedoch eine Walze aus der Carlshütte in Büdelsdorf ins Spiel, wäre das Interesse sofort geweckt: historisch bedeutsam für Schleswig-Holstein. So ein Exponat gibt es noch nicht in der Sammlung. Genau das ist qualitatives Sammeln – nicht möglichst viel, sondern möglichst sinnvoll bewahren. Als Nächstes sollen die zahlreichen Pflüge, Eggen und Erntemaschinen in den Fokus rücken.

Dass bislang noch nicht jedes der 100.000 Objekte inventarisiert ist, liegt an der langen Sammlungsgeschichte. Neue technische Möglichkeiten, etwa die digitale Inventarisierung, erlauben zudem eine systematischere Aufarbeitung. Das kostet jedoch Zeit und Geld, weshalb es nur Schritt für Schritt vorangehen kann. Sammlungsleiter Guntram Turkowski ergänzt: „Zudem müssen wir den Freiraum haben, neue Sammlungsschwerpunkte mit Fokus auf das 20. und 21. Jahrhundert zu entwickeln. Denn auch das kulturelle Erbe Schleswig-Holsteins der jüngeren Zeit zu bewahren, gehört zu unserem Auftrag.“

Zum verantwortungsvollen Umgang mit der Sammlung gehört – nach der Bestandsaufnahme – auch das sogenannte Entsammeln. Gunnar Maus: „Das geht nur mit einem höchsten Maß an Verantwortung einher.“ Das Freilichtmuseum steht vor dieser Herausforderung nicht allein, viele Museen stehen vor der Frage, wie sie sich von anvertrautem Kulturgut trennen können, weil die Mengen kaum händelbar sind.

Möglich ist die Rückgabe an frühere Leihgeber oder die Anfrage bei anderen öffentlichen Institutionen. Einen originellen Weg ging das Schweizer Regionalmuseum Chüechlihus: Es machte das Entsammeln zu einem partizipativen Prozess – so konnten Bürger*innen sich um Objekte bewerben. Auch das Freilichtmuseum Molfsee plant, die Menschen in Schleswig-Holstein künftig an seiner Sammlungsarbeit stärker teilhaben zu lassen.

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