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  • Auch im Pfarrhaus aus Grube konnten Barrieren abgebaut werden. Die Herausforderung in historischen Gebäuden:  Es sind individuelle Lösungen gefragt. Barrierefreiheit nach DinNorm ist selten möglich. So ist hier der Türrahmen verhältnismäßig schmal.

„Wir versuchen, für alle einen zu Weg finden“

Wer mit einem Kinderwagen über altes Kopfsteinpflaster schiebt, kennt das Gefühl: holpern, kippen, neu ansetzen. Im Freilichtmuseum Molfsee gehören solche Momente zum Alltag – schließlich sind die rund 60 historischen Gebäude auf dem 40 Hektar großen Gelände keine modernen Zweckbauten, sondern Zeugnisse vergangener Jahrhunderte. Schwellen, Stufen, unebene Böden: Was historisch authentisch ist, kann nicht nur für junge Familien zur echten Hürde werden. Das Museum arbeitet deshalb seit Jahren daran, dieses Spannungsfeld aufzulösen – Stück für Stück.

Beim Speicher Piehl, in dem sich eine Dauerausstellung zur Geschichte des Museums befindet, gibt es seit Kurzem eine neue barrierefreie Zuwegung mit einer größeren Stahlkonstruktion. Vor dem Haus aus Großharrie wurden historische Pflastersteine aufgeschnitten und neu gefugt – so lässt sich der Eingang z.B. auch mit Rollator deutlich leichter erreichen, ohne dass der Charakter des Ortes verloren geht. In der Schusterkate aus Duvenstedt und im Pfarrhaus Grube ermöglichen Rampen den Zugang ins Innere bzw. die Erkundung des Gebäudes. Und auf dem neu errichteten Spielplatz lädt ein inklusives Karussell – eine Drehscheibe mit Sitzmöglichkeit – Rollstuhlfahrer*innen zum Zusteigen ein. Der Wille zur Inklusion zeigt sich nicht nur hier. Über das Smartphone lässt sich ein MedienGuide sowohl in Gebärdensprache als auch in Leichter Sprache abrufen.

„In unserer Gesellschaft wurden und werden zum Teil immer noch bauliche Barrieren geschaffen, die jeden von uns irgendwann im Laufe des Lebens vor Herausforderungen stellen – sei es mit dem Kinderwagen, dem Rollator oder im Rollstuhl. Wir wollen und stehen für Inklusion und deshalb finden wir auch Wege und keine Ausreden“, sagt Wendi Marina Wierobski, die im Bereich Bildung und Vermittlung für das Thema Inklusion zuständig ist.

Die bauliche Umsetzung ist dabei selten einfach. Kein historisches Haus ist barrierefrei. In jedem Gebäude sind die Herausforderungen andere. Es geht immer darum, in Kompromissen zu denken und die bestmögliche Lösung zu finden. 

Barrierefreiheit meint natürlich nicht nur die Zugänglichkeit von Gebäuden. Museumsdirektorin Prof. Dr. Kerstin Poehls sieht das Thema als umfassenden und vor allem dauerhaften Auftrag: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Barrierefreiheit bei allem, was wir tun – also auch bei jeder Baumaßnahme, bei jedem Projekt – mitzudenken. Gemeinsam mit anderen Akteuren in der deutschen Museumslandschaft wollen wir da wirklich weiter vorankommen. Das ist auf einem 40 Hektar großen Freigelände nicht immer ganz einfach, weil neben den historischen Objekten und Gebäuden auch die technische Infrastruktur und der Naturschutz eine große Rolle spielen. Und so wird abgewogen und diskutiert, bis es eine Lösung gibt. Wir versuchen, für alle einen Weg zu finden."

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